UNESCO

Der Weltkulturerbe-Antrag “Das Netzwerk der Grenzen des Realeigentums und die Grenzzeichen“ wird von Österreich vorbereitet. Dem seriellen internationalen Projekt können sich weitere Staaten, die über ein gleichwertiges System der Landadministration (LA) verfügen, anschließen. Der Hauptantrag wird von Österreich nach den operationellen Richtlinien der UNESCO vorbereitet. Dieser Antrag enthält in Teil 1 alles auch international Gültige, wie Geschichte, Beschreibung der LA-Systeme, Begriffserklärungen und Bibliographie. Darin wird auch begründet, dass „Grenzen und Grenzzeichen“ als ganz besondere menschlich-technische Entwicklung ein Gut von außergewöhnlichem, universellem Wert darstellen und damit den UNESCO-Kriterien für die Aufnahme in die Welterbe-Liste entsprechen. Im Teil 2 wird das speziell für Österreich Gültige behandelt. Partnerländer können sich schon auf den Teil 1 beziehen und Teil 2 als Beispiel nehmen, um ihr System darzulegen.

Kriterien für die Aufnahme in die Welterbe-Liste:

In den Operationellen Richtlinien der UNESCO sind sechs Kriterien für den Nachweis des außerordentlichen und universellen Erbes angeführt. Mindestens eines der ersten fünf muss für eine Annahme des Antrags erfüllt sein, das sechste gilt nur ausnahmsweise allein. Grenzen und Grenzzeichen erfüllt alle diese Kriterien mindestens teilweise, wie im Folgenden angeführt sei. Der Hauptantrag soll unter Beschränkung auf die wichtigsten Kriterien (ii), (iv) und (vi) bei der UNESCO eingereicht werden.

(i) Meisterwerk der menschlichen Schöpferkraft:

Ein Mangel an Klarheit und/oder eine fehlende Anerkennung von Grenzen führt – wie die Geschichte zeigt – zu Streitigkeiten, Prozessen oder Kriegen. Die Einführung von gemeinsam gesetzten, gut dokumentierten und oft sogar schönen Grenzzeichen war eine außerordentlich wichtige Schöpfung, um die Einigung über den Grenzverlauf in der Natur festzuhalten und auf Dauer – auch für Dritte – sichtbar zu machen.

(ii) Bedeutender Austausch menschlicher Werte:

Das Netzwerk aller Grenzen ist ein wesentliches Fundament für Frieden, Ordnung und wirtschaftliches Planen, umso mehr, je dichter das Land besiedelt ist. Das allein stellt schon einen außerordentlichen Wert dar. Die dafür notwendige technische und organisatorische Entwicklung eines auf Dauer funktionierenden Landadministrationssystems war ein wichtiger Fortschritt der Geowissenschaften und zweifelsohne ein außerordentliches Beispiel für den Austausch menschlicher Werte in Bezug auf soziale und wirtschaftliche Entwicklung der Gesellschaft sowie auf die Gestaltung der Landschaft.

(iii) Einzigartiges Zeugnis einer kulturellen Tradition:

Einvernehmlich festgesetzte Grenzen und vor Zeugen gesetzte Grenzzeichen sind bemerkenswerte Zeugnisse einer Jahrhunderte langen kulturellen Tradition.

(iv) Hervorragendes Beispiel eines technologischen Ensembles, das bedeutsame Abschnitte der Menschheits-Geschichte versinnbildlicht:

Die Einrichtung und die laufende Nachführung eines landesweiten Netzes von vereinbarten Grenzen ist eine hervorragende technische und rechtliche Errungenschaft. Landesweite Grenznetzwerke bestehen seit dem 18. Jahrhundert und werden den wechselnden rechtlichen und technischen Anforderungen der Gesellschaft angepasst.

(v) Herausragendes Beispiel für Landnutzung, die repräsentativ für die menschliche Interaktion mit der Umwelt ist:

Landadministrations-Systeme sind die Basis für eine nachhaltige Nutzung und Entwicklung von Grund und Boden sowie von anderen natürlichen Ressourcen. Sie sind unverzichtbare Instrumente zur Milderung der Verletzbarkeit der Umwelt durch menschliches Handeln. Ohne Ortsbezug der klar definierten Grundstücksgrenzen wären Landbe-wirtschaftung und Umweltpflege organisatorisch nicht durchführbar.

(vi) Verknüpfung mit überlieferten Lebensformen und künstlerischen Werken von außergewöhnlicher universeller Bedeutung:

Grenzen und Grenzzeichen sind lebende Zeugnisse für soziale, wirtschaftliche, rechtliche, administrative und technische Innovation, aber auch für Beständigkeit und Vertrauen. Zahlreiche Traditionen und Rituale sind eng mit Grenzen und Grenzzeichen verknüpft.

Echtheit und Unversehrtheit, notwendige Merkmale eines Welterbes, sind für Grenzen und Grenzzeichen gut nachzuweisen: Ihre Eigenschaft, gerichtlich zuerkannte Rechte an vereinbartem Ort anzuzeigen, ist durch gemeinsame Begehung, Zeugen, Vermessung und einvernehmliche Schriftsätze zeitaktuell dokumentiert und allgemein zugänglich archiviert.

Management Plan:

Die UNESCO fordert die Vorlage eines Managementplans, welcher den nachhaltigen Schutz des Kulturerbes garantiert. Im Fall von Grenzen und Grenzzeichen ist diese Forderung bereits dadurch erfüllt, dass umfassende rechtliche und technische Regelungen für den gesicherten Bestand, deren Schutz und im Bedarfsfall für die kontrollierte wirtschaftliche Anpassung sorgen.

Vorteile einer Einreichung:

Bewusstseinsbildung für Grenzen und Grenzzeichen aller Art in der Gesellschaft.

Grenzfrieden ist ein Zeichen von Reife und Würde der Gesellschaft.

Förderung der Landadministration im eigenen Land sowie Beispielswirkung für Länder mit fehlenden oder unzureichenden Einrichtungen.

Förderung ordentlicher Grenzpflege für fortdauernden nachbarlichen Landfrieden auf allen Ebenen von Grenzziehungen: privat, kommunal, regional, international; rein eigentumsrechtlich oder auch verwaltungsrechtlich; vermessungstechnisch ortsbezogen, juridisch vertrags- und gesetzesbezogen, gesellschaftlich auch moralbezogen.

Einvernehmlich festgesetzte Grenzen trennen nicht nur, sie verbinden auch die Nachbarn. Sie fördern somit gutnachbarliche Kommunikation, die Voraussetzung für die Lösung gesellschaftlicher Probleme ist.

Beitrag zum Schutz der zu Unrecht zu wenig beachteten historischen Grenzdenkmäler, die aber als Beispiele für alle anderen zu sehen sind.

Hebung des Berufsethos für alle mit der Landadministration befassten Personen und Institutionen.

Förderung der internationalen und interdisziplinären Zusammenarbeit.